3. Schwäbisches Erziehersymposion im November 2004
Themen: Umgang mit störenden Schülerinnen/Schülern und schwierigen Situationen, wir sind nicht machtlos! - Lehrer motivieren Schüler - wer motiviert uns Lehrer?

einlad1


Pressebericht von Karl Landherr, Pressereferent der KEG Schwaben, Zeppelinstr.16, 86470 Thannhausen, Tel. 08281/1224 

Störende Schüler – Machtlose Lehrer?
Erziehersymposion der KEG kritisiert Erziehungsdefizite und ermutigt Lehrkräfte

Augsburg ( ) „Wir sind nicht machtlos!“ So das Resümee des Referenten Werner Gratzer (Regensburg) beim Erziehersymposion der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) Schwaben in Augsburg zum Thema „Umgang mit störenden Schülern und schwierigen Situationen“. Doch ohne die Unterstützung der Eltern und gegen negative Beeinflussungen durch elektronische Bildmedien tue sich die Schule sehr schwer, die ihr gesetzen Erziehungsziele zu verwirklichen.

referenten-neu150 Pädagogen aus allen Schularten konnten Ursula Kiefersauer (Mindelheim), die Bezirksvorsitzende der KEG Schwaben und Brunhilde Wiater (Augsburg), Leiterin der Fachgruppe Berufliche Schulen, zum 3. Erziehersymposion am Samstag im Haus St. Ulrich in Augsburg begrüßen, darunter auch die Leiterin der Schulabteilung bei der Regierung von Schwaben, Gabriele Holzner. Sie erläuterte in einem einführenden Statement die derzeitigen Rahmenbedingungen und besonderen Maßnahmen und Projektklassen an schwäbischen Schulen. Zur Unterstützung der Lehrkräfte stelle sie vier Forderungen auf:

* Eltern müssen ihre Erziehungsverantwortung mehr wahrnehmen.

*Junge Lehrkräfte müssen in der Ausbildung noch mehr auf schwierige Schüler vorbereitet werden.

* Die Medien müssen ihrer enormen Verantwortung gerecht werden.

* Das Angebot für eine ganztägige Betreuung von Jugendlichen an Schulen muss erweitert werden, um der Verwahrlosung entgegenzuwirken.

Gabriele Holzner lobte das Engagement der Lehrkräfte und ermutigte sie: „Wir sind nicht machtlos, wenn wir nicht mutlos sind!“

  Rektor Werner Gratzer, von dessen Referaten sich die Teilnehmer Hilfestellungen im Umgang mit schwierigen Schülern und einen Motivationsschub erwarteten, ergänzte spontan: „Mut und Wut bewegen etwas – Dauerndes Jammern hingegen macht krank!“ Bei den Ursachen von Aggression und Gewalt in der Schule kritisierte er vor allem die elektronischen Bildmedien wegen ihrer exzessiven Gewaltdarstellungen und sexistischen und Angst machenden Inhalte. Dagegen sei die Schule wirklich machtlos. Nicht von ungefähr seien Kinder und Jugendliche heute gefühlsärmer, einsamer und aggressiver als jemals zuvor.

Bei seinen praktischen Erfahrungsberichten und Hilfestellungen riet Gratzer den Pädagogen, Aggressionen sich nicht zu lange gefallen zu lassen: „Störungen haben immer Vorrang!“ Zur Prävention sei es in Elternhaus und Schule wichtig, eine gesundes Gleichgewicht zwischen Ich-Tugenden (Selbstverwirklichung, Durchsetzungsvermögen) und Wir-Tugenden (Rücksichtsnahme, Kompromissbereit-schaft) zu schaffen. Gratzer erläuterte eine Palette vorbeugender und korrigierender Maßnahmen vom Konfliktlotsen-Streitschlichter-Modell über mündliche und schriftliche Feed-back-Formen bis zu meditativen Einfühlungsübungen gegen aggressives Verhalten.

Rege Diskussionen gab es beim anschließenden Thema „Lehrer motivieren Schüler – Wer motiviert die Lehrer?“ – Die KEG-Bezirksvorsitzende Kiefersauer forderte von der Politik Rahmenbedingungen, die den Frust vieler Lehrkräfte abbauen und Mut zum Erziehen fördern. Die Schule könne nicht alle Defizite der Gesellschaft und des Elternhauses ausgleichen. Die Lern- und Arbeitsbedingungen hätten sich nach der dritten Arbeitszeitverlängerung in zehn Jahren an vielen Schulen verschlechtert, die Ergebnisse der OECD und PISA-Studien und diffamierende Kommentare in der Öffentlichkeit führten zu Verunsicherung, Verärgerung und teilweiser Resignation. Kiefersauer stellte abschließend fest: „Gesunde und motivierte Lehrkräfte sind der beste Garant für ein Schulwesen, das die großen Herausforderungen der Zukunft meistern kann!“