4. Schwäbisches Erziehersymposion im November 2005
Thema: Kinder nicht um Gott betrügen - Mit Kindern die Gottesbeziehung lernen

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Karl Landherr, Stv. Bezirksvorsitzender und Pressereferent, Zeppelinstr.16, 86470 Thannhausen
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„Kinder nicht um Gott betrügen“

4. Erziehersymposion der KEG findet großes Interesse

Augsburg (pm). Prof. Dr. Albert Biesinger von der Universität Tübingen, einer der renommiertesten Religionspädagogen unserer Zeit, schaffte es, 180 Erzieherinnen und Lehrkräfte zu einer ganztägigen Fortbildung nach Augsburg zu locken. Eingeladen hatten Ursula Kiefersauer, die Bezirksvorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) und Ludwig Rendle, der KEG-Fachgruppenleiter Religionspädagogik. Sie wollten nach der These „Kinder haben ein Recht auf Religion“, Anregungen für die religiöse Erziehung in Elternhaus, Kindergarten und Schule geben.

In seinem fundierten Grundsatzreferat machte Biesinger den Pädagogen Mut, die Eltern anzustiften, sich mit ihren Kindern auf das „Abenteuer Glauben“ einzulassen. „Religion hat Zukunft“ - mit dieser These deutete Biesinger, der auch als Berater des Familienministeriums in Berlin fungiert, eine Trendwende in der gesellschaftlichen Denkweise an: „Wir brauchen statt Beliebigkeit eine klare Wegweisung und können uns eine religiös vernachlässigte Generation gar nicht mehr leisten!“ Religiöse Unterweisung als Angebot bringe einen Mehrwert an Sinn und helfe, Kinder stark zu machen, damit sie selbstbewusst, einfühlsam und rücksichtsvoll durchs Leben gehen können. Deshalb dürften Kinder auch nicht um Gott betrogen werden.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen zeigte Biesinger, Familienvater und ehrenamtlich als Diakon in der Dompfarrei in Rottenburg tätig, aus persönlicher Erfahrung und anhand seiner vielen Bücher Beispiele auf, Religiosität zu lernen. Als gute Wege empfahl er das Beobachten und Nachahmen, Gespräche, Fremdverstärkung und soziale Bestätigung. Voraussetzung sei ein positives Gottesbild mit folgenden bedeutsamen Überzeugungen: „Der Mensch als Ebenbild Gottes, der ihm ein Leben in Fülle schenkt und ihn als ‚guter Hirte’ begleitet. Ein Gott, der wie ein ‚mütterlicher Vater’ für ihn sorgt, mit ihm leidet und ihn durch den Tod hindurch zum Leben befreit.“

sympo 4Wertvolle Lern- und Lebenssituationen für die Familie sind nach Biesinger religiöse Rituale, die besonders auch in Krisensituationen helfen können, z.B. „Abend-Oasen“: Vater und/oder Mutter pflegen mit ihren Kindern einen Abendritus beim Zu-Bett-Gehen, der gemeinsame Freude, innerliche Ruhe und Geborgenheit erleben lässt. Solche Rituale sind u.a. das Vorlesen oder Lesen einer (biblischen) Geschichte, ein Gespräch über den Tag, Sprechen über Gott und die Welt, Beten als Lob, Dank und Bitte, ein elterlicher Segen. Zum Schluss machte Biesinger den Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräften Mut, die Herausforderung der Zeit anzunehmen und Familienkatechese offensiv anzugehen und damit Kindern die Beziehung zu Gott zu erschließen und mit ihnen gemeinsam den tieferen Sinn des Lebens zu suchen.

In Arbeitskreisen am Nachmittag konnten dann die Teilnehmer das Thema praktisch vertiefen:

Prof. Dr. Albert Biesinger ging der Frage nach „Kinder brauchen Religion – was brauchen Erzieher und Lehrkräfte?“ - Michaela Grimminger vermittelte anhand verschiedener Methoden den Gedanken „Du bist kostbar und wertvoll!“. Beispiele zur Gestaltung von kindgemäßen Wortgottesdiensten und Eucharistiefeiern stellte Ingeborg Raab vor, während Jutta Rüth in meditativen Tänzen und Liedern der Geburt des Lichts nachspürte. Elemente und Erfahrungen aus den Arbeitskreisen bereicherten den Abschlussgottesdienst mit Pfarrer Richard Steiner, dem Lehrerseelsorger der Diözese Augsburg.